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Wolfgang Bittner: Gleiwitz heißt heute Gliwice, In einem Barackenlager aufgewachsen, begann sich Wolfgang Bittner in den 70er Jahren mit seiner..  Wolfgang Bittner: Gleiwitz heißt heute Gliwice 1.0 

Details

Datum: 07.10.03   Wolfgang Bittner: Gleiwitz heißt heute Gliwice, In einem Barackenlager aufgewachsen, begann sich Wolfgang Bittner in den 70er Jahren mit seiner..
Kategorie: eBooks
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Wolfgang Bittner 
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Beschreibung

In einem Barackenlager aufgewachsen, begann sich Wolfgang Bittner in den 70er Jahren mit seiner schlesischen Vergangenheit auseinander zu setzen. Noch während des Zweiten Weltkriegs in Gleiwitz/Oberschlesien geboren, erlebte er als Kind die Schrecken des Kriegsendes und der Vertreibung, wie auch den Neubeginn im angeblich goldenen Westen, der für viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene lange Jahre überhaupt nicht golden war. In Essays, Geschichten und Bildern führt der Autor dem Leser diese Epoche deutsch-polnischer Geschichte vor Augen, und zwar am Beispiel einer Familie, die in Schlesien zu Hause war und durch den Zweiten Weltkrieg entwurzelt wurde. Keine Lebenserinnerungen oder Heimatliteratur, sondern ein literarisch-gesellschaftspolitisches Zeitdokument, die Bearbeitung eines Traumas.

Das Buch ist im Original zweisprachig, deutsch und polnisch erschienen. Da der Palm Reader zur Zeit noch Schwierigkeiten mit der Darstellung polnischer Sonderzeichen hat, enthält die eBook-Ausgabe nur den deutschsprachigen Text und alle Abbildungen des Buches.

Die Herausgabe dieses Werkes wurde aus Mitteln von Kunststiftung NRW, Düsseldorf, gefördert.

Interview mit dem Autor zu diesem Buch
F: Herr Bittner, Sie sind in Gleiwitz geboren und nach dem Krieg wurden Sie einer der Vertriebenen. Jetzt wohnen Sie in Köln. Wie ich weiß, kommen Sie von Zeit zu Zeit nach Polen, machen Lesungen und nehmen an verschiedenen Konferenzen teil. Wann kamen Sie zum ersten Mal nach Polen, ich meine nach dem Krieg?

W.Bittner: Nach dem Krieg kam ich das erste Mal 1990 zurück in meine Geburtsstadt Gleiwitz, also kurz nach der politischen Wende, als die Grenzen durchlässig geworden waren. Ich war seinerzeit nur kurz in Oberschlesien, habe anschließend noch Warschau besucht und war mehrere Wochen in Masuren und an der litauischen Grenze bei Suwalki. Seither bin ich öfter in Polen gewesen, vor allem in Breslau, Gleiwitz und Krakau.

F: Wie haben Sie sich damals, 1990, gefühlt? Wie haben Sie Polen und vor allem Ihre Heimatstadt Gleiwitz empfunden? Hat diese Reise Erinnerungen geweckt?

W.Bittner: Damals begann Polen sich von der Stagnation in der Zeit des Kriegsrechts zu erholen und man merkte bereits diese Aufbruchstimmung, die dann noch zunahm und auch heute zu spüren ist. Gleiwitz hat mir sofort gut gefallen. Ich fühlte mich, als ich nach 45 Jahren wiederkam, irgendwie mit dieser Stadt verbunden, das war ganz merkwürdig. Darüber habe ich ja auch in meinem Buch 'Gleiwitz heißt heute Gliwice' geschrieben. Allerdings wurde ich einige Tage später sehr krank, ich bekam hohes Fieber. Ob das mit der Rückkehr nach Gleiwitz und mit meinen Erinnerungen an das Kriegsende und die Vertreibung zu tun hatte, weiß ich nicht. Die Begegnung mit dieser Stadt und mit einigen Orten, die ich tatsächlich wiedererkannte, zum Beispiel mein Geburtshaus, hat sehr viele Erinnerungen geweckt, was ja für meine schriftstellerische Arbeit recht fruchtbar ist. Durch das Schreiben darüber lenke ich vieles in rationale Bahnen, was mich zunächst mehr emotional bewegt hat.

F: Und wie empfinden Sie Polen jetzt, nachdem Sie hier schon ein paar Mal waren? Haben sich Ihre Eindrücke verändert?

W.Bittner: Polen hat sich in den vergangenen dreizehn Jahren sehr verändert, und zwar zum Positiven, wie ich meine. Ein weiterer Schritt ist der Beitritt zur Europäischen Union. Die Verhältnisse in Europa werden sich allmählich angleichen, davon bin ich überzeugt. Das hat natürlich auch Nachteile, wo die Ökonomie und Technologie dominieren, wo es nur noch ums Geschäft geht und die Kultur vernachlässig wird. Ich denke, dass Polen in der Europäischen Union kulturell viel zu bieten hat; das sollte auch wahrgenommen werden. Ich möchte aber einen Aspekt nicht unerwähnt lassen, obwohl ich weiß, dass man das in Polen nicht gerne hört, noch dazu von einem Deutschen: Das sind deutlich chauvinistische Tendenzen, die ich hin und wieder bemerkt habe, und außerordentlich starke Egoismen im Hinblick auf die Europäische Union. Ich habe darüber unter anderem in einem längeren Essay geschrieben, der jedoch noch nicht veröffentlicht ist.

F: Was bedeutet für Sie der Begriff 'Heimat'? Wo ist eigentlich Ihre Heimat?

W.Bittner: Ich bin in Gleiwitz geboren, in Ostfriesland an der Nordseeküste aufgewachsen, habe zwei Jahr in Osnabrück gelebt, in Göttingen und München studiert, anschließend zwanzig Jahre in Göttingen gelebt und jetzt wohne ich seit fünfzehn Jahren in Köln am Rhein. Zwischendurch habe ich einige Zeit in Mexiko, im Iran, in Kanada, in Paris, Amsterdam oder Krakau verbracht. Wo ist meine Heimat? Wenn ich danach in Polen oder in Kanada gefragt werde, sage ich: Deutschland. Aber wenn ich in Deutschland gefragt werde, weiß ich keine Antwort. Ich habe mich immer ein wenig heimatlos gefühlt, was wohl auch mit den Ereignissen bei Kriegsende zu tun hat. Wahrscheinlich bin ich ein Europäer.

Das Interview führte Dominika Mackiewicz im Rahmen einer Studienarbeit

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